Besuch bei der Handleserin vom Stoppelmarkt
Von Stefan Freiwald | 19. August 2012 | Kategorie: Menschen, Neuste Meldungen | 3 KommentareFrau Winterstein weiß alles, was in der Hand steht. Seit Ewigkeiten steht ihr kleiner Wohnwagen in der Nähe des Bahnhofs, ein bisschen eingequetscht zwischen zwei Buden. Aber wer zu Elli Winterstein-Laubinger will, der findet sie. Besonders in Vechta habe sie viele Stammkunden.
Als sie acht Jahre alt war, fing die Geschichte mit dem Handlesen an. So erzählt es Elli Winterstein-Laubinger. Als Achtjährige habe ihr Großmutter sie und die beiden Schwestern bei einem Kunden mitlesen lassen aus der Hand. “Meine Schwestern haben nichts gesehen”, erzählt sie. “Ich habe den Tod gesehen.”
Sie habe sich damals schwer erschrocken. Trotzdem machte sie weiter. Wenn ich die Linien auf der Hand lese, läuft in meinem Kopf ein Schwarzweißfilm ab”, beschreibt sie. Dabei komme es bei der Chiromantie nicht nur auf die großen Falten wie Lebens- und Liebeslinie an, die kleinen Verästelungen seien das Entscheidende. Und obwohl die Welt heute so technisch und vieles so vorhersehbar ist, habe sich der Kundenkreis immer vergrößert. Und Stammkunden hat sie allein schon deshalb, weil sie allen Kunden rät, in einem Jahr wieder zu kommen – “die Handlinien verändern sich”, sagt die 57-Jährige. “Viele Menschen haben Existenzängste, sorgen sich um ihren Job oder ihre Kinder.” Zu ihren Kunden zählten Politiker, Bankvorstände, Psychologen.
In ihrem Wohnwagen haben gerade ein kleiner Tisch und zwei enge Sitzbänke Platz. Hinge nicht ein großer Spiegel an der Wand, der Wagen wirkte noch kleiner. Auf dem Tisch steht ein Strauß mit Plastikblumen, ein Tischventilator surrt und weht heiße Luft von draußen heran.
Ihr gehe es nicht darum, schreckliche Dinge vorherzusehen. “Ich möchte niemandem Angst machen.” Aber dennoch könne sie sehen, wenn es einem Menschen nicht gutgehe und er besser den Arzt aufsuchen sollte. Vielfach werde sie auch gefragt, wie viele Kinder ein junger Mann oder eine junge Frau später haben werden. Diese Vorhersage sei früher einfacher gewesen. Aber seitdem es die Pille gebe, könne sie das nicht mehr genau sagen. Die Pille beeinflusse das Schicksal. “Wenn ein Kind gottgewollt ist, aber deswegen nicht zustande kommt, kann ich das nicht sehen”, räumt sie ein. Da hatte es ihre Großmutter besser.
Elli Winterstein liest in der dritten Generation die Hand. Und obwohl sie schon als Kind damit begonnen hat, ist sie erst vor zwei Jahren wieder dazu gekommen. Ihre Mutter Bernhardine ist mittlerweile 83 und muss kürzer treten, da springe sie gerne ein. Außerhalb der Kirmeszeiten ist sie nämlich Dachdeckerin in Bremen, erzählt sie. Wer hätte das gedacht? Aber bestimmt steht es in ihrer Hand.


Hab ich noch nie gemacht das ist die reinste geldverschwendung
Was kostet soetwas denn eigentlich?
25 Euro pro Sitzung hat sie gesagt.